So melden Sie einen Tierschutzfall

Ein Artikel aus der Reiter-Revue

Wenn Tierfreunde beobachten, daß Pferde ihr Dasein nur als Überlebenskampf fristen, drängt es sie einzuschreiten. Wo Sie Unterstützung finden, welche Wege zu beschreiten sind, um notleidenden Pferden zu helfen, beschreibt Reiter Revue–Tierschutz-Expertin Gina Barth-Muth.

Jeder, der Zeuge eines Tierschutzfalles wird, kann die Mißstände bei den Kreisveterinär- oder Ordnungsämtern anzeigen. Er sollte seine Beobachtungen sachlich und möglichst präzise, aber auf das Nötigste beschränkt, vorbringen.

So macht man es richtig

I. Wer Augenzeuge einer tierschutzrelevanten Pferdehaltung oder Versorgung wird, kann sich persönlich an das zuständige Veterinär- oder Ordnungsamt wenden (Kontakt über Kreis-, Stadt- oder Gemeindeverwaltung), die entgegen privaten Institutionen (z.B. Tierschutzvereine) handlungsbefugt sind. Nachdem die Behörden informiert wurden, kann man zusätzlich noch einen Tierschutzverein einschalten, der in der Sache mitkämpft.
II. Der Anzeigenerstatter bzw. Beschwerdeführer nennt seinen Namen, den genauen Standort des notleidenden Pferdes und wenn möglich, den Namen des Halters und den notierten Sachverhalt. Der Notfall wird dann erst einmal mündlich beim Amtstierarzt oder Ordnungsamt gemeldet. Notieren Sie sich vorher die Fakten, die Sie vorbringen wollen.

Amtshandlungen

Anschließend schicken Sie eine schriftliche Anzeige, die alle Ihre Notizen enthält, und – wenn möglich – auch die Namen von Zeugen.
Die Anzeigenerstattung bei den Behörden sollte der Beobachter selbst übernehmen. Eine anonyme Anzeige ist zwar möglich, verzögert aber mitunter die Kontrolle und somit eine etwaige "Rettung in letzter Minute". Der Datenschutz funktioniert auch bei den Veterinärämtern. Lediglich im Falle einer Klage vor Gericht wird der Name des Anzeigenerstatters durch Akteneinsicht dem Verteidiger des Beklagten bekannt. Dies ist aber nur möglich, wenn der Name den Behörden bekannt ist.
Man sollte aber soviel Zivilcourage haben und "Roß und Reiter" nennen und sich auch als Zeuge zur Verfügung stellen, damit dem Halter rechtskräftige Auflagen gemacht werden oder im Extremfall ein Tierhalteverbot ausgesprochen werden kann. Ohne konkrete Zeugenaussagen lassen sich Dauer und Details der Mißstände noch vor dem Einschreiten der Behörden nicht nachweisen und können bei der Festlegung des Strafmaßes nicht berücksichtigt werden. Dann kommt der Halter glimpflicher davon und den gequälten Tieren in seiner Obhut ist auf Dauer nicht geholfen.

Die Folgen der Anzeige

Der Tierhalter wird sofort auf die Mißstände seiner Handlung aufmerksam gemacht und bekommt eine Frist gesetzt, in der er handeln muß. Hält er sich nicht an die Auflagen oder Fristen, können ihm empfindliche Geldstrafen auferlegt werden – in sehr seltenen Fällen auch Haftstrafen, die jedoch meist zur Bewährung ausgesetzt werden.
Aber weniger das Strafmaß sollte von Interesse sein, als die Tatsache, daß sich die Tierhaltung verbessert. Dazu kann der Tierfreund auch selbst beitragen. Oft hilft schon ein Tip zur Veränderung. Auch die Erkenntnis, daß die Tierhaltung regelmäßig beobachtet wird, sorgt zuweilen für eine Wandlung zum Guten.
Wer sich nicht zutraut, den Pferdehalter persönlich anzusprechen, der kann eine Nachricht am Zaun oder Stall hinterlassen: "Was man täglich vor Augen hat, sieht man nicht. Wie man sein Kind nicht wachsen und sein Pferd nicht abmagern sieht. Fremden fällt das eher auf. Wir haben Ihr Pferd gefüttert und getränkt".

Tierschutz darf nicht zum Rachefeldzug werden, denn längst nicht alle zurecht angezeigten Tierhalter handeln in dem Bewußtsein, ihr Tier zu quälen. Die größte Geißel der Pferde ist die Unkenntnis ihrer Besitzer. Da schafft meist eine gründliche Aufklärung eine zügige Entschärfung der Notlage. Dafür setzen sich Ordnungsamt oder Veterinärbehörde bei ihrer Kontrolle ein.

 


Beispiel einer mündlichen Anzeige

Mein Name ist Heinz Mustermann aus Musterdorf. Ich möchte ein notleidendes Pony in Musterdorf melden. Es steht auf einer abgelegenen Weide und gehört Herrn Sowieso.

 

 

Notierter Sachverhalt – Zustand des Pferdes:

Haltungsbedingungen:

Die Beobachtung:

Standort:

Mein Einsatz:

Ich bitte Sie dringend um eine Kontrolle.